Einsatznummer:

010 - B2015-07

Einsatzstichwort: F2 brennt Wohngebäude Kirche
Datum: 19.03.2015
Uhrzeit: 20:37 Uhr
Einsatzdauer: 02h 28min
Einsatzstelle:

 Friedhofstr.

Ausgerückte Fahrzeuge:  KdoW (01), ELW 1, LF 20/30, HLF 8/6, LF8, GW-N
Personal (gesamt / davon vor Ort) 34/28
weitere Anwesende:  FF Lorsch, RTW, THW

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Video: YouTube

Bericht: Morgenweb

EINHAUSEN. Kurz nach 20.30 Uhr alarmierten Bürger die Feuerwehr, nachdem sie einen lauten Knall in der Kirche vernommen hatten. An den Fenstern soll Feuerschein zu sehen gewesen sein. 

Die Feuerwehren aus Einhausen und Lorsch wurden in Marsch gesetzt. An der Kirche ist die Eingangstür durch die Wucht der Explosion beschädigt worden. Teile der Decke im Altarraum sind nach Mitteilung der Polizei eingestürzt. Der Innenraum der Kirche ist ausgebrannt.

Die Explosion geht nach neuen Ermittlungen wohl auf einen Kabelbrand zurück. Ein Schmorbrand von Kabeln nahe der Kanzel und die anschließende Rauchgasentwicklung hätten vermutlich zu einer explosionsartigen Verpuffung geführt, sagte eine Sprecherin der Polizei.

Gegen 16.30 Uhr hatte gestern sich in der Kirche noch eine Kindergruppe getroffen. Zur Zeit der Explosion stand das Haus aber leer. Verletzt wurde daher niemand. Nach derzeitigem Ermittlungsstand beläuft sich der Schaden auf rund 250.000 Euro. (tm/mat)

Donnerstag, 19.03.2015

Bericht: Echo-Online

Nach einem Feuer in der evangelischen Kirche in Einhausen ist der Gottesdienstraum zerstört. Teile der Decke sind ins Kirchenschiff gestürzt. Derzeit wird ein technischer Defekt als Ursache des Brandes vermutet. Pfarrer Alfred König ist bestürzt. Die Polizei schätzt den Schaden auf 250 000 Euro.

EINHAUSEN.

Mit Tränen in den Augen steht Pfarrer Alfred König im Kirchenschiff. „Jetzt ist es fast noch schlimmer als gestern Abend“, sage er und blickt auf die zerstörte Orgel. Das Notenheft verbrannt, die Fußpedale teilweise verkohlt, die Orgelpfeifen geschmolzen. Das Gesangbuch auf der Orgelbank ist ebenfalls ein Raub der Flammen geworden.

In der Altarnische sieht es nicht besser aus. Zwei dicke Kerzen liegen zerschmolzen auf der Altardecke, mehrere Seiten der aufgeschlagenen Bibel sind verbrannt. Aus dem Blumenstrauß wurde ein Trockengesteck.

Über allem liegt eine dicke Rußschicht

Die Kanzel ist zerstört, das Kirchenschiff mit einer dicken Rußschicht überzogen. Ebenso die Fenster, die kaum noch Licht in die Kirche lassen. Es riecht penetrant nach verbranntem Holz und Kunststoff. Ein Teil der Stühle ist bei den Löscharbeiten umgefallen, ein Teil der Decke heruntergekommen. Zwei hölzerne Stützbalken sind teilweise verkohlt. Nun muss geprüft werden, ob die Statik der Kirche noch in Ordnung ist. Um Gefahren vorzubeugen, hat die Polizei die Eingänge versiegelt.

In der Sakristei und im Vorraum der Kirche ebenfalls Chaos: überall Ruß, auf dem Boden Spuren der schweren Feuerwehrstiefel, an der Wand ein angekokelter Sicherungskasten.

„Das war so eine schöne Kirche, mir standen die Tränen in den Augen“, sagt Pfarrer König. Zwar sei das Gebäude kein historisches Gotteshaus, sondern eine in den fünfziger Jahren zum Gemeindesaal umgebaute Tabakfabrik, die in den sechzigern zur Kirche ausgebaut wurde. Doch die Atmosphäre sei „wohnzimmermäßig“, alles sei in Schuss gewesen, „nichts renovierungsbedürftig“, beschreibt König.

„Wir müssen das komplette Gemeindeleben neu organisieren“, sagt Kirchenvorsteher Michael Wörner. Der Brand so kurz vor den hohen christlichen Feiertagen wie Karfreitag, Ostern aber auch Pfingsten und Konfirmation und Goldene Konfirmation hat die Kirchengemeinde aus der Bahn geworfen.

Die vielen Gruppen, die im Gemeindehaus zusammenkommen, haben plötzlich keine Räume mehr. Gottesdienste müssen ebenso verlegt werden wie Hochzeiten oder Taufen. Wann die Kirche wieder benutzbar ist, weiß noch keiner. Die Polizei schätzt den Schaden auf 250 000 Euro.

Auf der Friedhofstraße fahren immer wieder Autofahrer langsam an der Kirche vorbei und wundern sich. Denn von außen ist kaum etwas zu sehen. Nur der mit einer Holzplatte vernagelte Kircheneingang fällt auf.

Direkt gegenüber der Kirche stehen Nachbarn zusammen und versuchen zu begreifen, was am Donnerstagabend gegen 20.30 Uhr passiert ist.

Neben der Kirche wohnt Willi Krüger. 40 Jahre lang war er bei der Freiwilligen Feuerwehr. Am Donnerstagabend hat er sich bereits in Bett gelegt. Den furchtbaren Knall hat er nur im Unterbewusstsein wahrgenommen. Doch Sekunden später steht sein Enkel im Schlafzimmer. „Opa, die Kirche brennt“. Von seiner Feuerwehrzeit gewohnt, sofort zu reagieren, springt Willi Krüger aus den Federn und rennt im Schlafanzug nach draußen. Im Laufen ruft er den Notruf 112. Dann sieht er in den Gruppenräumen unter der Kirche noch Licht, schaut sofort nach, ob noch Leute drin sind. Schnell gibt er Entwarnung. Jemand hat vergessen, das Licht auszuschalten.

Nachbarn hören den Knall der Druckwelle

Willi Krüger ist erleichtert, dass nur die Kirchentür aus den Angeln gehoben wurde. Hätte das Feuer auf das Vordach übergegriffen, wäre vermutlich auch sein direkt an die Kirche angebautes Haus in Mitleidenschaft gezogen worden.

Marlies Bauer wohnt direkt gegenüber der Kirche. Durch den Knall am Donnerstagabend wurde sie aufmerksam, ist auf die Straße gerannt und hat das weit offen stehende Kirchentor gesehen. „Die gesamte Straße war verqualmt“, erzählt sie noch immer aufgeregt. Viele Nachbarn seien zusammengelaufen. Dann seien schon erste Feuerwehrfahrzeuge gekommen. Ihr Mann Reinhard zeigt nach oben. Die Kirchenuhr ist um 21 Uhr stehen geblieben – der Zeitpunkt, als die Feuerwehr den Strom in der Kirche abgeschaltet hat.

Hilde und Heinz Weißenfels wohnen ebenfalls gegenüber der Kirche. Heinz Weißenfels ist zum Zeitpunkt der Explosion nicht zu Hause. Seine Frau denkt zunächst an einen Verkehrsunfall oder an einen Einbrecher, bis sie die völlig verqualmte Straße sieht. „Das war heftig, ich habe ganz schön gezittert.“ Und zugleich denkt sie an die Taufe der Enkel, an die eigene Hochzeit und die Kirchenbesuche ihrer Familie. Die kleine Kirche sei für Einhausen ein Ort der Begegnung. Es sei traurig, nun vor den bevorstehenden Feiertagen die Kirche nicht mehr nutzen zu können. Heinz Weißenfels werden die Hochzeiten fehlen. Die hat er immer vom Fenster oder vom Hoftor aus verfolgt und quasi mitgefeiert.

Allen gemeinsam ist die Erleichterung, dass durch die starke Verpuffung keine Menschen zu Schaden gekommen sind. Normalerweise sei nämlich in den Räumen unter der Kirche immer was los. Auch noch abends. Nach dem plötzlichen Tod des Gemeindepfarrers vor zwei Jahren sei die Gemeinde schon geschockt gewesen. Und jetzt das Feuer in der Kirche, wo doch im Juni ein neuer Pfarrer hätte kommen sollen. Die Gemeinde sei extrem traumatisiert und gerade dabei gewesen, das Traurige hinter sich zu lassen, sagt Übergangspfarrer König: „Das jetzt ist eine Katastrophe.“ Demnächst hätte er Abschied genommen aus einer Gemeinde, mit der er eng verwachsen war. Schon nach seinem ersten Gottesdienst habe er den Eindruck gehabt, jeden in Einhausen zu kennen. Nie habe er sich hier fremd gefühlt. Das Gemeindeleben sei so anders als in der Stadt, der Zusammenhalt viel größer.

Es falle ihm schwer zu gehen. Gerade jetzt, wo die Gemeinde jede Hilfe gebrauchen könne. Der Schaden ist wohl durch die Versicherung gedeckt. Doch das Leid in den Seelen der Menschen könne Geld nicht heilen.

Die Brandursache ist noch unklar. Sicher ist nur, dass es keine Gasexplosion gewesen sein kann. Alle Gasleitungen sind in Ordnung, zudem liegt die Gasleitung im Keller, nicht im Kirchenraum. Dass sich durch einen Schmorbrand Gase gebildet haben, die plötzlich explodiert sind, scheint die wahrscheinlichere Variante. Die Brandermittler der Polizei sind weiter auf Spurensuche.

 

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