Einhausen, Sommer 1976: Ein extrem heißer Sommer hat den Waldboden ausgetrocknet. Immer wieder kommt es zu kleineren Waldbränden im Ried. Als am 1.Juli in Einhausen die Sirenen heulen und ein Waldbrand westlich der Kreisstraße 31 gemeldet wird, sieht alles nach einem routinemäßigen Einsatz aus. Niemand rechnet damit, daß mit dieser Alarmierung der größte Einsatz seit Bestehen der Einhäuser Feuerwehr eingeleitet wird. Am Ende werden mehr als 1.000 Helfer vier Tage lang gegen eine Feuersbrunst gekämpft haben, die ihnen noch lange in Erinnerung bleiben wird. Die traurige Bilanz nach vier Tagen des Hoffens und Bangens: 54 Hektar Wald wurden ein Raub der Flammen.  
Daß es nicht weitaus schlimmer kam, ist nur dem unermüdlichen Einsatz aller Helfer und der Zusammenarbeit der einzelnen Hilfsorganisationen zu verdanken, die oft bis weit über die Erschöpfungsgrenze hinaus im Einsatz waren.  
Alles begann relativ "harmlos": Autofahrer bemerkten eine Rauchentwicklung zwischen der B47 und Einhausen. Kurz nach 16.30 Uhr ging diese Meldung in der Leitstelle ein, die daraufhin die Feuerwehren aus Lorsch und Einhausen alarmierte. Die Einhäuser Feuerwehr rückte zunächst mit dem LF 8 aus, da man zu dieser Zeit noch kein Tanklöschfahrzeug besaß. Ohne Wasser versuchten die Feuerwehrmänner mit Feuerpatschen und Schaufeln der Flammen Herr zu werden. Dies stellte sich schnell als aussichtsloser Kampf dar, da ein Ostwind die Flammen immer weiter entlang der Bahnlinie Bensheim - Worms trieb. Schnell wurden weitere Feuerwehren mit immer mehr Tanklöschfahrzeugen alarmiert. Eine Einsatzzentrale wurde gebildet, um von dort aus den Einsatz aller Helfer koordinieren zu können. Als wichtigste Aufgabe stellte sich die Wasserversorgung der Fahrzeuge dar. Diese wurden durch die Ortsnetze von Einhausen und Riedrode aber vor allem auch durch die Brunnengalerie des Wasserwerks Jägersburg sichergestellt.

Dennoch konnte sich das Feuer weiter ausbreiten und kam immer näher auf Riedrode zu, so daß sogar schon ein Evakuierungsplan erstellt werden mußte. Immer mehr Kräfte trafen dann an der Einsatzstelle ein, bis alle Feuerwehren im westlichen Teil des Kreisgebietes sowie die der Städte Darmstadt, Mannheim und Worms im Einsatz waren. Auch DRK, Malteser Hilfsdienst, THW, Polizei und Forstverwaltung schickten alle verfügbaren Kräfte ins Einsatzgebiet. Am 1. Juli um 18.20 Uhr wurde vom damaligen Landrat Dr. Lommel Katastrophenalarm ausgelöst. Daraufhin wurde dann die Unterstützung durch Einheiten der Bundeswehr und US Army gewährleistet, die mit schwerem Räumgerät Brandschneisen schlugen und mit 20.000 Ltr. fassenden Großtankern Wasser direkt zur Brandstelle fuhren.
Zusätzlich setzte die Polizei zwei Hubschrauber ein, um ein Gesamtbild des Brandherdes zu bekommen und die Fahrzeuge dirigieren zu können.

Als problematisch erwies sich die Verständigung zwischen der Einsatzzentrale und den Einheiten vor Ort, da es an Sprechfunkgeräten mangelte. Noch heute wird von Einhäuser Feuerwehrleuten erzählt, daß sie ihren privaten PKW zum Einsatz mitnahmen, um durch das Autoradio wenigstens die wichtigsten Informationen zu erhalten. Nicht selten kam es vor, daß ein Feuerwehrfahrzeug von den Flammen eingeschlossen wurde und vom Hubschrauber herausgeleitet werden mußte, um den Flammen zu entkommen.  
Zunächst hatte sich die Feuerwalze aufgrund des Ostwindes ihren Weg entlang der Bahnlinie in Richtung Westen, also auf Riedrode zu, gebahnt. Als es zu einer Änderung der Windrichtung kam, war die Gefahr für Riedrode zwar gebannt, aber die Flammen konnten über die Bahnlinie und die B47 hinweg auf andere Teile des Waldes übegreifen. "Ein regelrechter Kugelblitz schoß aus dem Wald heraus und sprang direkt auf die andere Seite über", so ein Augenzeuge. Mit dieser neuen Situation wurde die Gefahr nur noch größer, da sich jetzt die Flammen in einem geschlossenen Waldgebiet von etwa 7.000 Hektar befanden. Es mußte nun alles darangesetzt werden, eine größere Ausdehnung zu verhindern, was auch tatsächlich gelang. Dank des vereinten Einsatzes aller Kräfte, durch das Schlagen von Schneisen, das Feuchthalten von Waldgebieten und aufgetürmten Begrenzungswällen kam die Feuerwalze zum Stehen. So konnte der Schaden im Bürstädter Wald begrenzt werden. Insgesamt wurden 54 ha Wald zerstört. Daß es nicht viel schlimmer kam, ist nur dem Einsatz aller Helfer zu verdanken.

Dieser Großeinsatz hat gezeigt, daß bei der Waldbrandbekämpfung nur das Zusammenarbeiten der einzelnen Feuerwehren zum Erfolg führen kann. Das Zusammenziehen vieler Tanklöschfahrzeuge bringt oft den schnellsten Löscherfolg mit sich.  
Bei der abschließenden Einsatzbeurteilung wurde vor allem die mangelhafte Ausrüstung der Feuerwehren mit Handsprechfunkgeräten kritisiert, was einen schnellen Informationsfluß unmöglich machte. Auch ist es seither üblich, die Feuerwehrfahrzeuge mit einer Dachkennzeichnung zu versehen, damit sie aus der Luft von den Hubschraubern besser anzusprechen sind. Auch sollte neues Kartenmaterial für die Feuerwehren ausgeteilt werden. Für die Hauptkritikpunkte wurden noch im selben Jahr 40.000 DM vom Kreis Bergstraße zur Verfügung gestellt.

Die Freiwillige Feuerwehr Einhausen, die bis dahin über kein wasserführendes Fahrzeuge verfügte, erhielt zwei Jahre später ein TLF 16/25.
Bleibt nachzutragen, daß Brandstiftung die Ursache für den Großbrand vom 1.7.76 war, der Kosten von über einer Million DM verursachte.

Noch im selben Jahr wurden die Vorbereitungen für die Neupflanzung des Geländes getroffen und ein Jahr später begann die Aufforstung. Heute erinnert nur noch ein Gedenkstein an die Brandkatastrophe vom Juli 1976.

Der vorstehende Bericht von Stephan Rapp wurde dem Festbuch "100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Einhausen" von 1995 entnommen.

 

Die folgenden Bilder von diesem Waldbrandeinsatz wurden uns von Hans Neubecker zur Verfügung gestellt.

 
 

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