November, Dezember, Januar: Die drei Scheunenbrände in Einhausen und Lorsch schüren die Angst vor dem Feuerteufel, der in der Klosterstadt schon seit Jahren sein Unwesen treibt. Oder gibt es mittlerweile sogar einen zweiten? Seit Kurzem haben die Brände eine andere Dimension.

Einhausen/Lorsch. So richtig überraschend kommt das Statement der Polizei nicht: "Die Kripo ermittelt wegen Brandstiftung", sagte eine Sprecherin gestern auf Nachfrage des BA. Doch konkrete Hinweise auf den Täter oder darüber, wie er das Feuer in der Lorscher Lagerhalle an der Gemarkungsgrenze zu Einhausen gelegt hat, haben die Beamten auch heute - drei Tage, nachdem der Brand ausbrach - nicht.

Auch wenn die Anhaltspunkte fehlen, laut Polizei deutet alles darauf hin, dass der Brand gelegt wurde. In der Lagerhalle gab es keine Technik, die die Flammen hätte verursachen können. Auch andere Quellen als Ursache schließen die Ermittler aus. Die Diagnose Brandstiftung dürfte nur die wenigsten überraschen. Doch unter den Landwirten geht die Angst um - in Lorsch und mittlerweile vor allem in Einhausen. Noch konnte die Polizei laut eigenen Angaben zwar keinen Zusammenhang zwischen dem Feuer vom Samstag in Lorsch (die Lagerhalle stand nur wenige Meter von der Gemarkungsgrenze zu Einhausen entfernt) und den beiden Bränden vom Dezember und November in der Weschnitzgemeinde (siehe Infobox) ermitteln. Doch einige Indizien sprechen dafür: die ähnliche Bauart der Hallen und der enge Radius, in dem sich alle drei befanden, beispielsweise.

Einhausens Gemeinenbrandinspektor Christoph Röll glaubt auch nicht an einen Zufall. Das Wort "Brandstiftung" nimmt er nicht in den Mund, aber: "Ich kann es mir nicht anders erklären." Weder Einhausen noch Lorsch haben Merkmale, die Feuer stärker als andere Städte und Gemeinden begünstigen. Das bestätigt auch Lorschs Stadtbrandinspektor Franz-Josef Schumacher, der anders als sein Einhäuser Kollege kein Blatt vor den Mund nimmt, im Gespräch mit dem BA: Dass mindestens ein Feuerteufel in der Region sein Unwesen treibt, sei beängstigend.

Mindestens einer? Schumacher denkt an die Brände in zahlreichen Lorscher Gartenlauben vor einiger Zeit zurück - schon damals wurden Brandstiftung und ein Muster nachgewiesen. Der Feuerwehrmann glaubt jedoch nicht, dass diese Fälle und die Feuer in den Lagerhallen auf das Konto desselben Täters gehen. "Im Vergleich zu den großen Gebäuden jetzt waren die Lauben Kleinkram", sieht er eine neue Dimension der Gefahr. Verletzt wurde am Wochenende niemand. Neben den 320 Heuballen brannten noch zwei Traktoren.

Löscharbeiten dauern an

"Mittlerweile geht es richtig an die Substanz." Franz-Josef Schumacher blickt ungern auf die letzten Wochen der Lorscher Feuerwehrleute zurück. Zahlreiche Einsätze haben die Brandschützer in Atem gehalten, das Feuer vom Samstag beschäftigte sie auch gestern noch den ganzen Tag. Acht Mann hielten die Heuballen in Schach, aus denen es immer wieder qualmte. Die Gefahr, dass sie sich noch einmal entzünden, bestand durchaus. Das Heu ist derart eng gepresst, erklärte ein Feuerwehrmann gestern, dass das Löschwasser nicht ins Innere der Ballen eindringen kann. Deswegen verwenden die Einsatzkräfte eine Chemikalie, die die Oberflächenspannung des Wassers löst, und ein Bagger reißt die Ballen auseinander, um die Glutnester im Innern freizulegen.

Seit Tagen kämpfen die Einsatzkräfte jetzt schon. Manche hatten seit Samstag nur wenige Stunden Schlaf. "Am Samstagnachmittag, nach 17 Stunden Einsatz, waren alle ziemlich am Ende", so Schumacher. Pflegearbeiten am Gerätehaus und an den Fahrzeugen wurden vorerst aufgeschoben. Das gehe zur Lasten der Motivation.

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 06.01.2015

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