LORSCH/EINHAUSEN. Auch Tage später lässt der Großbrand in einer Lorscher Scheune die Beteiligten nicht los. Zu tief sitzt der Schock, zu fassungslos machen die verheerenden Feuer der vergangenen Wochen und Monate in Lorsch und Einhausen sowohl die Geschädigten als auch die Freiwilligen Feuerwehren und die Ordnungsbehörden. Obendrein die Erkenntnis der Polizei: Brandstiftung. Und die Ungewissheit, ob der Feuerteufel aus Lorsch sich jetzt größere Ziele sucht oder ob es noch einen zweiten gibt - möglicherweise sogar aus Einhausen.

"Auch Gerüchte sind Hinweise"

Derweil bereitet die Polizei Maßnahmen vor, um dem Brandstifter auf die Schliche zu kommen. Konkrete Hinweise auf einen Täter gebe es derzeit jedoch keine, sagte eine Sprecherin gestern gegenüber dem BA. Die Ermittler hoffen jetzt auf die Gerüchteküche - und die brodelt in diesen Tagen sowohl in Lorsch als auch in Einhausen. "Auch Gerüchte sind Hinweise", fordert die Polizeibeamtin auf, alles bei den Ermittlern in Heppenheim zu melden. "Die Kollegen sortieren dann die brauchbaren Hinweise raus."

Unterdessen kamen die Betroffenen zu einem Sondierungs- und Abstimmungsgespräch im Lorscher Stadthaus zusammen. Enger zusammenrücken und den möglichst lückenlosen Schulterschluss üben zu wollen - das waren die im Gespräch erarbeiteten Ansätze. Anwesend waren neben Erstem Stadtrat Klaus Schwab die Geschädigten und alle, die an den Lösch-, Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen beteiligt waren. Vertreter der Kriminalpolizei, des Brandschutzes, der Lorscher und Einhäuser Verwaltungen und die Landwirte diskutierten die Lage und den künftigen Umgang mit dem Problem der Brandstiftungen.

Zwei Dinge wurden deutlich: die tiefe Betroffenheit aller, aber auch die Sorge, was die Zukunft angeht. Zwar sicherte die Kriminalpolizei auch weiterhin ihre Unterstützung zu. In den vergangenen Jahren gaben die Brandstiftungen in Lorsch und Einhausen jedoch jede Menge Rätsel auf. Ein ausführlicher Bericht der Beamten gab einen Überblick über den Stand der Ermittlungen.

Sucht sich der Täter neue Ziele?

Neben Aufklärungsarbeit setzt die Polizei weiter auf die öffentliche Fahndung über die Presse und persönliche Unterstützung. Dazu kommen vorsorgende Maßnahmen - möglicherweise gefährdete Objekte sollen künftig verstärkt beobachtet werden, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Lorscher Stadthaus. Ganz oben auf der Liste stehen nach den vergangenen drei Großbränden landwirtschaftliche Hallen oder Betriebe. Doch der Brandstifter könnte sich in Zukunft auch ganz andere Ziele suchen. "Wir wissen nicht, ob die Brandserien in den Lorscher Gartenlauben und die jüngste in den Lagerhallen auf das Konto desselben oder zweier verschiedener Täter gehen", erklärt die Polizeisprecherin. Gefährdet könnten Objekte sein, die leicht zugänglich sind, nicht im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen und "gut brennen. Denn über den Täter kann man wohl sagen, dass er Freude daran hat, etwas brennen zu sehen", so die Sprecherin.

Beunruhigt zeigten sich bei dem Gespräch in Lorsch vor allem die Landwirte. Sie sprachen von erheblichen betrieblichen wie finanziellen Auswirkungen auf ihre Höfe. Jetzt sehen sich die Bauern in ihren Existenzen bedroht. Über den Einsatz technischer Geräte wie Videokameras und Fotofallen wurden die Landwirte informiert. Außerdem bieten die Feuerwehren an, vor Ort zu beraten, wie mit oft einfachen Mitteln mögliche Brandabschnitte verkleinert werden und die Ausbreitung eines Brandes somit erschwert werden kann. Darüber hinaus schlägt die Polizei eine Art Nachbarschaftswache vor. Eigentümer von gefährdeten Gebäuden sollten sich zusammenschließen und Wachdienste organisieren, um Brandstiftungen vorzubeugen.

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 09.01.2015

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